Kontext statt Zauberei: Effektives Arbeiten mit KI-Prompts

Kontext statt Zauberei: Effektives Arbeiten mit KI-Prompts

Wer beim Schreiben Prompts für KI optimieren will, findet online zahlreiche Schlagzeilen: «Die 10 besten Prompts für Autor:innen» «Der ultimative Prompt für Profis» «Der einzige Prompt, den du brauchst».
Alle versprechen dasselbe: Mit dem richtigen Prompt holt man das Maximum aus der KI. Aber das ist ein leeres Versprechen.

Den perfekten Prompt gibt es nicht und auch nicht die zehn besten. Das liegt an der Funktionsweise von KI-Modellen. Der vorherige Beitrag "Rollenspiele: Mit diesen Rollen hilft dir KI beim Schreiben" zeigt, wie wichtig es ist, dem KI-Tool eine klar beschriebene Rolle oder Perspektive zuzuweisen. In diesem und den drei folgenden Blogs in der Serie "Kreative Intelligenz" erfährst du, wie du systematisch mit generativen Sprachmodellen arbeitest, statt nach einer magischen Formel zu suchen.

Warum Prompt-Ratgeber in die Irre führen

Claude reagiert anders als ChatGPT, Gemini anders als LeChat, selbst bei identischen Formulierungen. Jedes Modell folgt eigenen Regeln und basiert auf unterschiedlichen Trainingsdaten. Ein Prompt, der bei einem Modell sehr gute Ergebnisse liefert, erzeugt bei einem anderen nur Mittelmaß.

Auch innerhalb eines Modells gibt es keine Kontinuität. Dieselbe Eingabe führt zu unterschiedlichen Antworten, mal schlecht, mal überraschend gut. Die Modelle sind darauf ausgelegt, variabel zu reagieren.

Zudem werden die generativen Sprachmodelle stetig weiterentwickelt. Ein heute bewährter Prompt kann in wenigen Monaten nutzlos sein, weil das zugrunde liegende Modell aktualisiert oder ersetzt wurde. Sogenannte ultimative Prompts setzen auf ein System mit Verfallsdatum. Prompt-Rezepte altern schnell.

Methoden statt Zauberformeln

Wer den perfekten Prompt sucht, denkt zu sehr ans Werkzeug. Die entscheidende Frage lautet: Mit welcher Methode arbeite ich?

Methoden entstehen durch Ausprobieren, Beibehalten von Bewährtem und Verwerfen von Hinderlichem. Ein Beispiel: Charakterkarten gelten in vielen Schreibratgebern als unverzichtbar. Für manche Autor:innen sind sie hilfreich, für andere ein Hindernis. Manche brauchen erst Szenen, um ihre Figuren zu entwickeln, andere entwickeln sie nicht bewusst, sondern lassen sie im Schreibprozess entstehen und schärfen sie erst später nach. Die passende Methode hängt von der individuellen Arbeitsweise ab.

Bevor du dich von täglich neuen Prompting-Tipps treiben lässt, entwickle ein Fundament. Das bedeutet nicht, dass deine Arbeitsweise unveränderlich ist. Sie bleibt im Fluss. Doch es ist entscheidend, zu wissen, wie du am besten arbeitest.

Kontext schlägt Prompt

Die Qualität des Outputs hängt weniger vom Prompt ab als vom Kontext, den du der KI gibst. Auch der ausführlichste Prompt ohne Kontext liefert generische Ergebnisse. Ein kurzer, präziser Prompt mit umfassendem Kontext führt zu brauchbaren Ergebnissen.

Was Kontext bedeutet, ist weniger selbstverständlich, als es klingt. Es geht nicht um technische Parameter, sondern um das, was eine KI über dich wissen muss, um sinnvoll zu helfen: wie du schreibst, für wen, in welcher Phase des Projekts du bist, welche Vorannahmen du mitbringst oder welche Formulierungen du konsequent meidest. Diese Informationen stecken in dir, nicht im Prompt. Du musst sie explizit machen, um für dich und dein Projekt passende Antworten zu bekommen.

Das führt direkt zur Methoden-These zurück: Kontext zu liefern setzt voraus, dass du weißt, wie du arbeitest. Weißt du es nicht, kannst du es der KI nicht beschreiben. Weißt du es, hast du den größten Hebel, unabhängig davon, wie der Prompt formuliert ist und mit welchem Tool du arbeitest.

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Wie du diesen Kontext einmal dokumentierst und dauerhaft verfügbar machst, zeigt der kommende Artikel. Willst du ihn nicht verpassen? Dann melde dich kostenlos für den Newsletter an.

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Zukunftssicher: Modellunabhängig denken

Statt nach dem perfekten Prompt zu suchen, sollten wir die Modelle besser verstehen: Wie funktionieren sie? Wo liegen ihre Grenzen? Dazu gehört auch die Bereitschaft, das Werkzeug zu wechseln, wenn ein anderes besser passt. Im Alltag könnte das bedeuten: Brainstorming mit einem Modell, Stilfragen mit einem anderen und strukturelle Analysen mit einem dritten. Wichtig ist, eine klare Vorstellung von der eigenen Arbeit zu haben. Diese Klarheit bleibt unabhängig vom Modellwechsel bestehen.

Wer spezialisierte Schreib-KIs wie Sudowrite oder Jasper nutzt, kauft Komfort, gibt aber Kontrolle ab. Diese Tools basieren auf Modellen von OpenAI, Anthropic oder Google, ohne offenzulegen, welche Version gerade aktiv ist. Wer Prompts für solche Tools optimiert, begibt sich in eine Tool-Abhängigkeit und arbeitet in einer Black Box.

Bevor du promptest: Fünf Fragen zu deinem Kontext

Wenn du systematisch vorgehst, erzielst du bessere Ergebnisse. Indem du dir zunächst Klarheit über die aktuelle Schreibsituation machst, kannst du den Prompt mit dem entsprechenden Kontext anreichern.
Diese fünf Fragen helfen dabei:

  1. Zweck: Was soll der Output leisten?
  2. Rolle: Welche Perspektive soll die KI einnehmen?
  3. Kontext: Was muss die KI über meine Arbeit wissen?
  4. Format: Länge, Struktur, Ausgabeformat?
  5. Iteration: Wie bewerte ich das Ergebnis, was passe ich am Prompt oder am Kontext an?

Der dritte Punkt ist der entscheidende. Kontext setzt voraus, dass du weißt, wie du arbeitest. Wenn du das weiß, hast du ein System und brauchst keine Prompt-Rezepte.

Lade dir hier eine Checkliste herunter, mit deren Hilfe du zielspezifisch den Kontext für die Arbeit mit KI zusammenträgst.


Transparenzhinweis:
Texte dieses Blogs sind von mir geschrieben. Die Entwürfe werden jeweils mit einer spezialisierten KI stilistisch geprüft und in einem 3. Schritt von mir nochmals bearbeitet.
Bilder sind KI-generiert, wenn nichts anderes unter den Bildern angegeben ist.

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